Samstag, 9. Oktober 2010

Stabilitätsprobleme und Tücken des Alltags

So, ist eine Weile her, dass ich das letzte Mal was von mir hören lassen habe. Das lag aber daran, dass wir immer bis abends gut ausgelastet waren.
Unimäßig wird es wohl so sein, dass ich mich mit dem Gecko beschäftige. Momentan dreht sich aber erstmal alles um relativ elementare Probleme. Im Kern geht es darum, was passiert, wenn der Gecko mit seinem Fuß gegen die Wand drückt. Auf selbigem sitzen jede Menge kleine "Zylinder". Bei ausreichender Druckkraft machen die mehr oder weniger das (hoffentlich) in der Animation zu sehende. Man kennt das ja auch, wenn man auf ein Lineal oder ähnliches drückt. Wenn dem Gecko das bei allen Füßen gleichzeitig passiert ist es natürlich erstmal Pech für ihn, weil er dann runterfällt. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass er das auch elegant zum Laufen nutzen kann. Wenn er mit dem Fuß fest an der Wand klebt, nützt ihm das ja auch alles nichts, weil er nicht weiterkommt. Stößt er sich aber nun mit einem Fuß beim Rennen ab (wie wir es ja zumindestens beim Rennen auch machen), dann entsteht der gezeigte Effekt. Natürlich ist das alles rein spekulativ. Ich muss irgendwie erstmal Überblick im Gewirr der schon vorhandenen Literatur kriegen (es gibt tausende Veröffentlichungen dazu).
Mein Kollege Zeller wird sich ganz gemeinen Problemen über das Zusammenspiel von Elektrostatik und Mechanik widmen. Das entzieht sich natürlich wesentlich mehr der Vorstellungskraft, als mein fürs erste relativ anschauliches Problem. Das hat dann auch dazu geführt, dass wir gestern den halben Tag den Sinn und Unsinn von Maxwell-Spannungen und anderem unverständlichem Zeug erörtert haben.
Da ich früh noch Radfahren gewesen war, wollte ich dann gestern noch etwas länger an der Uni bleiben. Nachdem ich für ein ziemlich einfaches Problem in drei Anläufen drei verschiedene Lösungen ausgerechnet hatte, die alle der Plausibilitätskontrolle nicht standhielten, schien ich schließlich endlich auf dem richtigen Weg zu sein. Kurz bevor ich fertig war, fing es dann plötzlich auf dem Flur laut zu hupen an. Ich vermutete Feueralarm, checkte kurz für den Fall der Fälle den Fluchtweg durchs Fenster, rechnete noch schnell zu Ende und packte dann meine Sachen. Als ich aus der Tür trat, wäre mir beinahe das Trommelfell geplatzt, da genau neben der Tür die Feueralarm-Sirene saß. Im Treppenhaus wurde ich dann fast von drei bis an die Zähne bewaffneten Feuerwehrmännern über den Haufen gerannt. Gegen die würden die deutschen Feuerwehrmänner mit ihren Playmobil-Äxten ziemlich armselig wirken. Draußen war gerade die Polizei damit beschäftigt, alle Passanten mehr oder weniger sanft des Geländes zu verweisen. Ich bin ja gespannt, ob es bloß eine Übung oder doch ein E-Fall war. Jedenfalls roch es etwas komisch (allerdings nicht verbrannt).
Um auf den Großen Beleg des jungen Herrn Zeller zurückzukommen: Er schreibt ihn vielleicht auch besser über elementare Probleme des Alltags. Er hat sich nämlich einen tollen amerikanischen Wäscheständer gekauft. Ich habe ihn gleich davor gewarnt, dass das Ding statisch unterbestimmt sein könnte. Aber er wollte es mir einfach nicht glauben.
 Der Versuch hat gezeigt, dass ich recht hatte, denn das Ding ist erstmal in sich zusammengestürzt. Ich habe den pragmatischen Ansatz gewählt und zwei Leinen durchs Zimmer gespannt. Das ist natürlich nicht so ästhetisch wie der Wäscheständer, aber immerhin funktioniert es.
Außerdem hat der Andere aufblasbare Sessel bestellt. Da die Dinger billig waren hab ich auch gleich einen mitbestellt. Die Pumpe, die mit dazu war, mussten wir erstmal instand setzen, bevor wir sie das erste Mal im Einsatz hatten. Nach gefühlten 100000 Hüben entfalteten sich dann unsere Sessel in ihrer ganzen Größe. Die Dinger beanspruchen wahrscheinlich ein Viertel der gesamten Wohnfläche.
Leider ist es zu anstrengend, die Sessel nur dann aufzublasen, wenn man sie braucht. Wir hätten vielleicht doch den optionalen Kompressor mitbestellen sollen. Aber immerhin gibt es einen eingebauten Flaschenhalter und einen Fußhocker ... wenn das mal nichts ist. Sollten die Dinger platzen, haben die Häuser im Umkreis aber wahrscheinlich keine Fensterscheiben mehr.
Außerdem macht sich bezüglich des Essens nach der ersten Freude, dass es fast alles gibt, was man bei uns auch im Regal findet, so langsam die Ernüchterung breit. Da soll zwar das Gleiche drin sein, aber das Meiste schmeckt einfach nur erbärmlich. So strömt einem schon beim Öffnen des Balsamico-Essigs ein übelriechender Duft entgegen. So stelle ich mir in etwa den Duft der Ausscheidungen der kalifornischen Kettennatter vor, die sie ausstößt, wenn sie sich bedroht fühlt. Unser Spümittel riecht  auch nicht besser. Über Ursachen klärt üblicherweise der "Ingredients"-Abschnitt auf der Packung auf. Als ich kürzlich Zwiebeln und Salami in einer Pfanne gemeinsam braten wollte, habe ich ziemlich dumm geguckt, wie plötzlich die Zwiebeln die Farbe der Salami angenommen haben. Kein Kommentar dazu. Gestern abend hat sich der Andere ein Fertigessen mit der Bezeichnung "Hungry Man" in den Ofen geschoben. Auch hier hatte ich schon beim Einkauf gewarnt. Das Resultat war ja vorherzusehen. Auch hierzu kein Kommentar.
Jedenfalls hat das das Fass zum Überlaufen gebracht, sodass wir jetzt zumindestens am Wochenende selber kochen werden. Also war heute erstmal Aufmunitionieren angesagt. Gar nicht so leicht, solche Sachen wie Soßenbinder, Gemüsebrühe, usw. zu finden. Über die Endsumme, die wir schließlich blechen mussten, rede ich besser nicht. Aber wenn eine kleine Gewürzdose fünf Dollar kostet, ist das halt so. Immerhin haben wir sogar Mehl gefunden. Denn das Brot hier ist grausam. Und da die Mittagessensversorgung auf dem Unigelände nicht so der Hit (bzw. sauteuer) ist, sind wir mehr oder weniger darauf angewiesen. Wir werden also zum Selber-Backen übergehen müssen. Die einzige Unbekannte im Gleichungssystem ist noch die Verfügbarkeit von Hefe. Aber ich kann mich entsinnen, dass ich mal ein Brot ohne Hefe gebacken habe. Und das war nach meiner Erinnerung "not too bad". Interessant war auch, dass zum Kaufen von Weißwein (für unsere Feinschmecker-Soßen) unser Visum erforderlich war.
Ansonsten mussten wir uns noch die ganze Zeit mit Cox rumschlagen. Das ist sowas wie die Telekom (bzw. T-Online). Natürlich mit vergleichbarer Servicequalität. Da der Herr im Zimmer neben mir unbedingt eine Glotze braucht, war das alles gar nicht so einfach. Eigentlich hatten wir ja die Hoffnung, zumindestens das Internet mit dem WLAN unserer Apartment-Nachbarn teilen zu können. Aber ausgerechnet dort ist uns der erste nicht kooperative Mensch hier über den Weg gelaufen. Er fühlt sich "not comfortable" damit. Wir vermuten mittlerweile, dass er Franzose ist, da die Amerikaner alle äußerst freundlich und hilfsbereit sind. Auch das Bezahlen der Stromrechnung war nicht ganz ohne, da dass nur mit Scheck oder sog. Money-Order geht.
Ansonsten war ich auch mal eine Runde mit dem UCSB-Radteam unterwegs. Dort werde ich mich wohl früher oder später einklinken, um zu den Rennen hier zu kommen. Beinahe hätte ich mich dazu hinreißen lassen, schon an diesem Wochenende mit zu einem Cross-Country-Rennen nach Nevada zu fahren. Aber die Vernunft hat noch einmal gesiegt.
Heute waren wir zum Mittag am Strand vom Goleta zum Barbecue der ISA (International Students Association). Dort gabs fetten amerikanischen Burger und Hotdogs. Ich hab mich deshalb danach aufs Rad verzogen um die Energiebilanz wieder zurecht zu rücken. Das ganze natürlich bei bestem Wetter mit Sonnenschein und Temperaturen um die 70 °F. Die Sonne war nach dem Regen vom Montag auch dringend nötig ...
Weiterhin habe ich mir ein Gurke für die Stadt angeschafft, da ich meine Räder nur ungern draußen stehen lasse. Ich konnte sogar ein echtes Kona mit Stahlrahmen für umgerechnet 70 Euro auftreiben. Das Tretlager sitzt so hoch, dass ich kaum aufsteigen kann und der Lenker ist voll Downhill-tauglich. Die Billig-Federgabel von RST hat mich echt zum Staunen gebracht. Ich bin noch nichts gefahren, was derartig sensibel auf Bordsteinkanten und Ähnliches reagiert. So gut war selbst meine alte Fox nicht. Als ich dann übermütig wurde und mehrere Schläge hintereinander kamen, wurde mir die Ursache dann aber bewusst. Schon beim zweiten Einfedern war das Ding praktisch zur Starrgabel mutiert. Diagnose: völlig überdämpft. Aber das Rad ist immerhin ein Fortschritt um 2300% gegenüber meiner Kiste in Dresden, was die Anzahl der Gänge betrifft. Es funktioniert auch alles tadellos, sodass ich guter Hoffnung bin, am Ende der Zeit hier das Ding zumindestens ohne Verlust wieder los zu werden.

Dienstag, 28. September 2010

Dies und das

Nach den vergangenen heißen Tagen, waren heute endlich mal wieder angenehme Temperaturen. Die letzten Tage war es hier so heiß, wie glaube ich keinen einzigen Tag in Deutschland in diesem Sommer. An irgendwelche anstrengenderen Aktivitäten war gar nicht zu denken. Abends wird es dann aber immer sehr schnell kühl und dunkel.
Mittlerweile habe ich auch ein Bett, einen Schreibtisch und einen Stuhl recht günstig auftreiben können.
Außerdem waren wir gestern das erste Mal an der Uni. Bob musste aber leider gleich nach Washington, um Geld aufzutreiben, sodass wir uns nur kurz unterhalten konnten. Er hat uns aber einige Themen zur Bearbeitung für den Großen Beleg angeboten. Die werden wir diese Woche mal etwas näher betrachten. Unser Favorit ist aber mit Sicherheit die Frage danach, warum der Gecko an der Glaswand kleben bleibt, bzw. was dem Gecko alles Schlimmes passieren kann, wenn er nicht aufpasst. Schließlich sollen seine Füße für den technischen Einsatz "kopiert" werden und da sollte man wissen, worauf man sich einlässt. Die anderen Themen handeln von künstlichen Muskeln, den uns nicht ganz unbekannten Ferroelektrika und der Frage wie man die Späne vom Zerspanen wieder recyclen kann (und daraus möglicherweise sogar einen Werkstoff mit besseren Eigenschaften als vorher zaubern kann). Alles nicht ganz uninteressant, aber ich denke, wir werden uns um das Thema mit dem Gecko prügeln müssen.
Ansonsten ist alles beim Alten. Auf das Radfahren musste ich erstmal verzichten. Zum Einen wegen der Hitze und zum Anderen weil irgendwas meinem Magen nicht ganz gut getan hat. Allerdings nichts Ernstes glaube ich. Dazu kommt, dass die letzten Wochen ganz schön anstrengend waren und ich doch ziemlich platt bin. Daher habe ich mich mehr oder weniger entschieden, zwei Wochen zu Pausieren und dann wieder locker anzufangen (wie ich es in Deutschland auch gemacht hätte).
Internet funktioniert mittlerweile auch. Allerdings bin ich gestern bald wahnsinnig geworden beim Einrichten von Router und Modem. Aber das zu erzählen, würde den Rahmen bei Weitem sprengen.

Samstag, 25. September 2010

Im Glutofen

Heute wollte ich zur Feier des Tages endlich mal eine längere Runde mit dem Rad drehen, nachdem ich immer nur durch die Stadt gekurvt war. Kartenmaterial war bisher nicht aufzutreiben bzw. ausverkauft. Ein kurzer Blick in Google-Maps und mein nicht vorhandener Orientierungssinn mussten also ausreichen. Ich nahm mit vor, über die San Marcos Pass Road zum Lake Cachuma zu fahren und von dort aus weiter über Solvang zum Higway „One-O-One“, welcher mich zurück zur Küste und damit nach Santa Barbara führen sollte. Zu Beginn ging es abwechselnd mal sehr steil und dann wieder flacher eine Nebenstraße hoch. Die Serpentinen waren zum Teil extrem steil, sodass ich schon mal 600 Watt im kleinsten Gang benötigte, um nicht umzufallen. Man hatte schon hier den Eindruck mit jedem Höhenmeter der Wüste etwas näher zu kommen, obwohl die doch ein ganzes Stück weg ist. Auf halber Höhe traf ich auf den Highway, der in Richtung Lake Cachuma führt. Von hier an ging es sehr gleichmäßig hoch. Es gibt wahrscheinlich kaum einen besseren Berg zum K3 fahren. Irgendwann erreichte ich die Passhöhe. Die folgende Abfahrt ins Tal glich einer Autobahn. Ich fühlte mich wie auf der Gegengerade vom Sachsenring, allerdings sechs Kilometer lang. Dazu kam eine schon um 10 Uhr morgens sehr warme Luft, die wie ein Heißluftfön wirkte. Ich dachte mir da noch nichts Schlimmes dabei. Allerdings war mir aufgefallen, dass mir bis zur Passhöhe immer nur Radler entgegen gekommen sind und keiner hier hochfuhr. Nun traf ich überhaupt keinen mehr, was mich daran zweifeln ließ, ob diese Straße überhaupt für Radfahrer erlaubt ist (ist sie). Den eigentlichen Grund stellte ich erst später fest. Bald kam ich zum herrlich gelegenen Lake Cachuma.
Lake Cachuma
Von hier aus fuhr ich weiter über Santa Ynez nach Solvang. Dieser Ort scheint eine Art „Klein-Dänemark“ zu sein. Jedenfalls hingen überall dänische Fahnen und die Hotelnamen sind „Nykobing Inn“, „Copenhagen Inn“, usw. In Buellton wollte ich dann auf den Highway „One-O-One“ in Richtung Küste abbiegen um dann wieder nach Süden zurück nach Santa Barbara zu fahren. Dies sollte eigentlich mit der langen Abfahrt und dem zu erwartenden Rückenwind relativ zügig gehen. Allerdings entpuppte sich der Highway als Freeway. Diese Straßen sind vergleichbar mit einer deutschen Autobahn, nur dass nicht so schnell gefahren werden darf. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass man hier mit dem Rad drauf fahren darf. Mittlerweile habe ich Google befragt und erfahren, dass ich in diesem Fall gedurft hätte, da es keine Alternativroute gab und kein Schild explizit das Radfahren verbot. Mit dem üppigen Seitenstreifen wäre das kein Problem gewesen. Aufgrund der teils heftigen Strafen hier für Fehlverhalten im Straßenverkehr (1000 Dollar für Müll aus dem Fenster werfen), entschied ich mich, kein Risiko einzugehen, und den ganzen Weg zurückzufahren. Außerdem hielt ich es für an der Zeit mal etwas zu Essen. Da ich vergessen hatte, irgendwelche billigen Riegel im Supermarkt zu kaufen, musste ich auf die mitgebrachten, altebekannten Powerbar zurückgreifen. Überrascht stellte ich fest, dass diese kurz davor waren, den Aggregatzustand zu wechseln. Ich schaute auf die Uhr und staunte nicht schlecht: 43° C.
Solvang
Dies erklärte auch die Tatsache, warum meine Schaltung schon eine Weile hakte. Bei solchen Temperaturen kann man die Wärmedehnung der Züge wahrscheinlich nicht mehr ganz vernachlässigen. Um ein Gefühl für die amerikanischen Einheiten zu kriegen, versuchte ich die Celsius-Temperatur in Grad Fahrenheit umzurechnen. Da mir nur der 0 °C-Wert (32 °F) und die Tatsache, das 23 °C 73 °F sind, bekannt waren, keine leichte Aufgabe bei dieser Temperatur. Um es kurz zu machen: Es sind rund 110 °F. Klingt wie im Kochtopf. War es irgendwie auch. Kurz zuvor hatte ich noch an einer Tankstelle Wasser nachgekauft. Eine sehr sinnvolle Maßnahme, allerdings hatte es schon nach 15 Minuten annähernd Außentemperatur erreicht. Kurz darauf war die Temperatur bei 44 °C, woran sich in den nächsten eineinhalb Stunden nichts ändern sollte. Am Straßenrand lagen anstatt der sonst üblichen toten Igel, Kröten und Katzen irgendwelche undefinierbaren eichhörnchenähnlichen Tiere und immer wieder Schlangen, wovon aber einige auch noch ganz lebendig zu sein schienen (eine konnte ich identifizieren: Kalifornische Kettennatter - ein kriechender Zebrastreifen).
Higway 154
Das Wasser ging langsam zur Neige und ich musste noch den langen Anstieg zur Passhöhe hochfahren. Da die Physik auch in Kalifornien unerbittlich ist und daher warme Luft aufsteigt, waren wir bald bei 46 °C und kein Wasser mehr im Tank. So langsam machte sich Dehydrierung breit. Sehr viel länger hätte es glaube ich nicht mehr bergauf gehen dürfen, da die Möglichkeiten Wasser aufzufüllen dort oben sehr begrenzt waren (um nicht zu sagen: nicht vorhanden). So konnte ich aber den kühlen Fahrtwind und die schnell fallenden Temperaturen auf der Abfahrt nach Santa Barbara genießen und kam nach fünf Stunden wieder daheim an. Die Fahrt auf dem Freeway wäre sicher deutlich entspannter gewesen … aber trotzdem war es interessant, etwas vom Umland von Santa Barbara zu sehen. Und einen (zum Glück nur leichten) Sonnenbrand hatte ich um die Jahreszeit auch noch nie.

Donnerstag, 23. September 2010

So macht Einkaufen Spaß ...


Heute morgen waren wir erstmal ausgiebig einkaufen. Die Packungsgrößen sind bedeutend zweckmäßiger als in Deutschland. Auf diese Weise wird viel Verpackungsmüll gespart. Auf die Frage "Do you seperate your trash?" haben wir allerdings nur verständnislose Blicke geerntet, was alles schon wieder relativiert. Aber immerhin muss man nicht so oft Einkaufen.
Das es hier keine Haferflocken gibt, war ein haltloses Gerücht. Die 4,5 Kilo Packung im Bild spricht für sich. Bei 1,5 Kilo Oreo-Keksen für 6 Dollar konnte ich auch nicht widerstehen. Die 1,5 Kilo Packung Datteln kostet in etwa das Gleiche. Damit sollten wir eine Weile über die Runden kommen, wenngleich die Diffusionsrate der Kekse gegen unendlich geht.
Die unter dem Namen "Droge" bekannten Wasabi-Nüsse gibt es auch reichlich. Was das Essen betrifft, wird es also kaum an etwas mangeln. Wir waren heute im Supermarkt wirklich erschlagen von der Auswahl und haben dort drinnen 90 (in Worten: Neunzig) Minuten zugebracht.
Anschließend waren wir nochmal unterwegs, um einen gebrauchten Schreibtisch und Bürostuhl abzuholen. Wir haben das gefühlt 200 Kilo schwere Miststück von Tisch aus massivem Holz auf den Pickup-Truck des Besitzers verladen und sind dann zu uns gedüst. Der Wagen hat übrigens Handschaltung, was eine echte Rarität hier ist. Der Verkäufer der Möbel war geschätzte 45-50 Jahre alt und promoviert in Geschichte.
Trotzdem hatten wir viel Spaß mit ihm. In die Wohnung haben wir den Tisch nach einigem Hin- und Her relativ einfach gekriegt. Zumindestens im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte. Denn wir mussten ja damit noch in des Anderen sein Zimmer. Wir versuchten die sechs vorhandenen Varianten den Tisch zu drehen, um durch die Tür zu kommen. Bei dem Gewicht nicht einfach. Und auch alles zwecklos. Die Tischbeine abzuschrauben erwies sich als noch aussichtsloser. Geschraubt, genagelt, vernietet und geklebt - das nenn ich mal atombombensicher. Letztlich schafften wir dann den Durchbruch indem wir die Tür aushängten, was auch nicht ganz einfach war. Die Stifte waren durch die Farbe etwas festgeklebt und ohne richtiges Werkzeug kann das durchaus mal zum Problem werden. Aber gut - wir habens ja geschafft. Und mit dem fest installierten Oldschool-Sharpener (zu deutsch Spitzer) hat der Tisch auch ein echtes Highlight.
Strom ist jetzt auch da und wir müssen somit nicht mehr bei Kerzenlicht duschen. Der Andere hat sich auch noch eine Matratze gekauft. Ich schlafe lieber erstmal weiter auf dem (gut gepolsterten) Teppichboden und schaue mich nach einer gebrauchten Schlafunterlage um, da bei den Wohnungspreisen hier ja irgendwo auch gespart werden muss. Wenn ich weiter so gut schlafe, wie letzte Nacht, kann ich das aber vielleicht auch ganz bleiben lassen.
Einige Bilder mehr sind auch auf Picasa (http://picasaweb.google.com/starki871) zu finden.

Mittwoch, 22. September 2010

Oh yeah aha

Heute morgen stand der Umzug in unser Apartment an. Das bedeutete eine Reise quer durch die ganze Stadt von Santa Barbara Downtown nach Goleta. Mit dem Sperrgepäck und ohne Auto kein leichtes Unterfangen. Die Busfahrer waren offensichtlich nicht allzu begeistert von unserem Vorhaben, aber man muss sagen, dass trotzdem alle freundlich geblieben sind. Überhaupt ist Busfahren hier eine lustige Sache. Die Amerikaner quatschen einen oft einfach so an. Der typische Gesprächsablauf ist: "Where are you from?" - "We are from Germany" - "Oh Germany is beautiful. I was never in Germany up to now, but I know it´s beautiful."
Einfach Weltklasse war das Gespräch mit einem Mann, der nach jedem Satz ein lautes "Oh yeah aha" in einer Lautstärke ausstieß, dass es der ganze Bus hören. Komisch geguckt hat aber keiner. Sowas scheint hier also ganz normal zu sein, wie einiges andere auch. So kann es z. B. schonmal vorkommen, dass ein Fahrgast dem Busfahrer ganz stolz seinen neuesten Turnschuhkauf präsentiert und detailliert erklärt. Der Unterhaltungswert vom ÖPNV ist definitiv unschlagbar. Die Schulbusse sehen übrigens aus, wie in jedem Ami-Film. Überhaupt scheinen viele Klischees zu stimmen. Dies fängt bei den mit der Amerika-Flagge angemalten Briefkästen an, geht mit den Autos weiter und hört bei den vielen potenziellen schwarzen Löchern auf. Letzteres ist bei der vorliegenden Fastfood-Restaurant-Dichte wenig verwunderlich. Erschwerend kommen die niedrigen Preise dazu. Für 50 US-Cent kann man soviel Cola trinken, wie man will ...
Interessant ist, dass die bekannteste deutsche Stadt hier Stuttgart ist. Erklären können wir uns das bisher noch nicht ... soviel Daimler wird hier eigentlich nicht gefahren, da die viel zu wenig Hubraum haben und auch sonst zu klein sind.
Bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 65 mph auf dem Freeway ist das auch völlig nachvollziehbar. Solche enormen Geschwindigkeiten wären mit deutschen Autos sicher nicht möglich. Wie wir bei unserem Mietwagen feststellen konnten, entspricht der Spritverbrauch von den üblichen "PKW" hier übrigens dem ihrer deutschen Pedants. Allerdings in Gallonen.
Unser Umzug hat letztlich etwas länger gedauert, da wir aufgrund einer Fehlinformation noch eine Ehrenrunde mit dem Bus drehen mussten. Aber alles halb so wild, schließlich sind wir angekommen.
Anschließend haben wir mit der Aufrüstung begonnen und erstmal die Küche bestückt und beim Energieversorger Strom bestellt. Dieser wird hoffentlich morgen angestellt. Im Moment müssen wir uns mit einer Batterie Kerzen begnügen. Jetzt fehlen nur noch Matrazen, ein paar Stühle und ein Tisch. Aber heute wird noch einmal auf dem Fußboden geschlafen.
Die Räder haben die Reise auch gut überstanden. Ich kann es kaum erwarten, die erste Runde zu drehen. Das Wetter passt jedenfalls schonmal ...

Dienstag, 21. September 2010

Anreise nach SB

Gestern früh klingelte der Wecker 2:30 Uhr. Es ging zum Flughafen nach Düsseldorf. Von hier aus wollte ich gemeinsam mit einem anderen Kommilitonen (der auch Sebastian heißt) zum Auslandssemester nach Kalifornien fliegen. Beim Check-In wurden wir von einem gewissen Murat abgefertigt, der mit absoluter Freundlichkeit glänzte und meinen Koffer gleich erstmal ungelabelt zum Abflug schickte. Bei der Sicherheitskontrolle wurde ich mal wieder einer eingehenderen Kontrolle unterzogen. Keine Ahnung, was mich so verdächtig macht. Zum Glück hatte ich mein Aktiv-3-Iso-Pulver nicht mit im Hangepäck, sonst wäre ich wahrscheinlich gleich daheim geblieben.
45 Minuten vor dem Start unseres Airbus war meine Tasche immer noch verschollen und ich wurde langsam unruhig. Zum Glück wurde sie dann doch noch wiederentdeckt, sodass es sorgenfrei los gehen konnte. Der Flug an sich verlief bemerkenswert ruhig ohne Turbulenzen oder schnarchenden Passagiere. Bei der Kontrolle der Einreisepapiere traf ich dann erstmal René Birkenfeld, der im selben Flieger saß. Wir konnten uns leider nur kurz unterhalten, da es für ihn direkt weiter ging. Er gab an, dass er nach Las Vegas zum Cross fahren wolle. Bisher war mir die Stadt nur in Bezug auf Glücksspielerei ein Begriff, aber man lernt ja nie aus.
Später wartete ich noch gefühlte zwei Stunden, bis ich endlich meine beiden Radkartons in Empfang nehmen konnte. Da arbeitet man selbst in Spanien deutlich schneller, aber immerhin scheint noch alles ganz zu sein. Von L. A. sollte es mit einem Mietwagen von Äivis (auf die korrekte Aussprache wurden wir von einem Amerikaner hingewiesen) weiter an der Küste entlang ins ca. 100 Meilen nördlich gelegene Santa Barbara gehen. Leider bekamen wir nur einen Kleinwagen (siehe Foto).
Beinahe hätte unser Gepäck nicht rein gepasst. Die Automatikschaltung war so träge, dass nach dem Kick-Down drei Sekunden vergingen, bis endlich etwas passierte. Die ganzen Knöpfe und Schalter im Cockpit verwirrten mich auch. Nach 30 Meilen wurde mir immerhin die Funktionsweise des Tempomats klar. Auch die Temperaturregelung bekamen wir in den Griff, nachdem wir verstanden hatten, dass alle Anzeigen in Fahrenheit sind. Die genaue Umrechnung ist zwar im Kopf eine echte Herausforderung, aber durch Probieren kamen wir zu dem Schluss, dass 73 Grad Fahrenheit ganz angenehm sind. Beim Versuch den Innenspiegel abzudunkeln, muss ich dann aber doch eine falsche Taste erwischt haben. Es ertönte eine Ansage "emergency call". Ich drückte wie wild auf allen möglichen Knöpfen. Aber es half nichts - kurz darauf waren wir mit der Notrufzentrale verbunden. Ich erklärte der Dame am anderen Ende das Versehen, woraufhin diese wortlos auflegte. Ohne weitere Ereignisse erreichten wir dann unser Ziel. Wir fanden direkt das International Hostel, wo wir in Ermangelung einer Wohnung zuerst einmal übernachten wollten. Wir bekamen sogar ein Appartment, welches zwar klein und dunkel, aber immerhin besser als das Bettenlager ist. Die Nacht war kurz, da wir heute morgen den Mietwagen zurückgeben mussten. Das Volltanken des Wagens stellte uns vor erhebliche Probleme. Aber mit unserem geballten (Fast-)Ingenieursverstand konnten wir auch diese Klippe umschiffen. Anschließend machten wir uns auf Wohnungssuche. Wir entschieden uns gleich für das erste Objekt. Der Preis sprengt zwar beinahe unser Budget, aber die Größe des Apartments ist unschlagbar. Und die Nähe zur UCSB ist auch nicht zu verachten. Für die Kaution von 2000$ mussten wir erstmal zur Bank. Der Automat schien nur noch 20$-Scheine vorrätig zu haben, sodass wir am Ende einen dicken Stapel Geldscheine in der Hand hatten. Dies machte es auch nötig, die Auszahlung in mehreren Etappen durchzuführen, da soviel Geld natürlich nicht auf einmal durch den Ausgabeschlitz passt.
Gerade waren wir noch Pizza zum Abendbrot essen. Der Unterschied zu einem Fettklumpen war nur marginal, aber zumindestens sind wir jetzt satt.
Morgen früh steht dann der Umzug in die neue Wohnung an. Das wir noch einmal lustig werden, da wir eine nicht ganz unerhebliche Strecke mit dem ÖPNV bewältigen müssen.