Sonntag, 21. November 2010

Conference Champion

Wenigstens im Pickup war es warm ...
Dieses Wochenende stand mit den "Western Collegiate Conference Championships" das letzte Rennen der Serie statt. Es ging ganz in den Süden von Kalifornien nach San Diego. Da das am A**** der Welt liegt, starteten wir nur zur zweit in Santa Barbara: Downhiller Scott und die neuentdeckte Cross-Country-Granate Iche. Da Scotts Eltern in der Nähe von San Diego leben, übernachteten wir dort. Wie üblich waren die sehr nett, nur die Hunde waren nicht so ganz meine Sache. Offenbar hatte ich dreckige Hände und die Hunde meinten, sie reinigen zu müssen. Nur mit größter Mühe konnte ich sie aus meinem Gesicht fernhalten. Da war mir die ebenfalls vorhandene Schildkröte (ein älteres Wüstenexemplar beachtlicher Größe) wesentlich lieber.
Das Wetter hatte Ende der Woche in absolutes Mistwetter umgeschlagen. Da San Diego noch niederschlagsärmer als Santa Barbara ist, war das ein echtes Ereignis. Allerdings zum falschen Zeitpunkt.
Aufgrund des Starts in ca. 1200 Metern Höhe, waren es am Samstag vielleicht 4 °C. So fror ich gemeinsam mit den anderen Startern der Unis von San Diego, San Luis Obispo, Davis, Berkeley & Co. im Regen an der Startlinie rum. Immerhin waren wir um die 20 Starter in der A-Klasse. Andere Unis wie Stanford und Humboldt hatten aufgrund der Wettervorhersage und der nicht unerheblichen Distanz gleich von vornherein auf einen Start verzichtet. Wie bei solchen Bedingungen verzögerte sich der Start aus ungeklärter Ursache. Es schien so, als würden wir auf Schnee warten. Die Hände waren zu diesem Zeitpunkt schon leicht gefühllos. Erinnerungen an die diesjährige Trans-Germany und so einige Mad-East-Etappen wurden wach. Irgendwann ging es dann doch los. Wie schon letzte Woche konnte ich meine Fähigkeiten als Startrakete voll ausspielen und mich an die zweite Position setzen. Als ob es nicht schon kalt genug gewesen wäre, begann das Rennen mit einem langen Downhill. Trotzdem wurde mir hier warm. Anlieger, nette Sprünge und Felspassagen wechselten sich ab. Und alles sehr flüssig zu fahren. Insbesondere die Abschnitte auf Fels waren sehr bemerkenswert. Mir wurde hier klar, wie einige Szenen in den amerikanischen Freeride-Filmen zustande gekommen sind: Der Fels sieht oberflächlich glatt aus, hat aber eine Oberfläche wie 40er Sandpapier. Bevor man dort abfliegt, zieht es einem den Reifen von der Felge.
Da ich die Strecke zuvor nicht gesehen hatte, hatte ich in den Downhills schon einen leichten Nachteil. Insbesondere gegen die Fully-Fahrer. Nichtsdestotrotz machte es wirklich Spaß und ich hatte nach der ersten Abfahrt nur wenige Sekunden Rückstand auf Pro-Fahrer und Titelfavoriten Menso de Jong aus San Luis Obispo. Er gab richtig Gas, schließlich hatte er die Niederlage von der Vorwoche gut zu machen. Trotzdem konnte ich die kleine Lücke schnell schließen und setzte mich an die Spitze. Im nächsten Anstieg hieß es dann "Hike a Bike". Normalerweise sind solche Laufeinlagen der sichere Tod für mich. Es setzte mir auch hier zu, aber Menso, mit dem ich schon wieder allein unterwegs war, ging es ähnlich. Die anschließende Abfahrt war die Super-D-Strecke und stand der ersten in nichts nach. Mit wenig Gefühl in den Fingern und noch viel weniger Streckenkenntnis büßte ich hier bestimmt eine halbe Minute ein. Anschließend stand aber ein langes Flachstück und ein angeblich sieben Meilen langer Anstieg zu einem recht hohen Berg an. Meine Beine fühlten sich, wie bei solchem Wetter üblich, gelinde gesagt beschissen an. Und das obwohl ich mittlerweile doch wieder recht gut in Form gekommen bin. 340 Watt waren aber offensichtlich genug, um Menso wieder zu schnappen. Als der Berg begann, hing ich an seinem Hinterrad. Ich hörte ihn schon schwer atmen und  war aufgrund der Gammelei auch schnell wieder erholt. Als ich im Nebel eine längere Rampe mit anschließendem Flachstück erkannte, sah ich meine Chance gekommen. "Same procedure, as every race". Tempo im Steilen langsam anziehen, im Flachen richtig drücken, umsehen und das vorhandene Loch zur Kenntnis nehmen, und dann die richtige Attacke. Psychologische Kriegsführung halt. Die Wirkung war, wie letzte Woche schon, vernichtend. "Blown engine" für Menso und ich war in kürzester Zeit im Nebel verschwunden. Meine Beine waren nach wie vor wie Blei, aber für den Moment reichte es aus. Und das Wetter war wirkliche Grütze. Ich öffnete kurz die Weste, da ich dachte, dass es mir hier im Anstieg vielleicht warm werden würde; aber ich machte sie lieber gleich wieder zu. Sieben Meilen hatte der Anstieg dann wahrscheinlich doch nicht. So konnte ich mich früher als erwartet in die nächste Abfahrt stürzen. Es erwartete mich das Gleiche, wie auf allen anderen Abfahrten. Flow pur. Und der Downhill war wirklich lang. Ich hatte das Gefühl hier Tausende Höhenmeter zu vernichten. Auch andere Fahrer waren sich nach dem Rennen sicher, das wir wesentlich mehr bergab als bergauf gefahren sind. Hat hier jemand während des Rennens an der Raumkrümmung gedreht? Mir war es egal. Die Abfahrten waren trotz tauber Finger und schlechten Wetters purer Spaß. Der letzte Streckenabschnitt war nochmal ein auf und ab auf nettem Singletrack. Ich fuhr nur noch meinen sicheren Vorsprung nach Hause und finishte nach ca. einer Stunde, 45 Minuten als neuer "Conference Champion". Im Gegensatz zu europäischen Rennen bestand das CC-Rennen hier nur aus einer Runde. Es war aber mit Abstand das Beste, was ich je an Strecke gesehen habe. Da sind alle Alpen-Singletrails, die ich bisher gefahren bin, pure Langweiler dagegen. Bei besserem Wetter würde man wahrscheinlich das Grinsen für Stunden nicht mehr aus dem Gesicht kriegen.
Nach getaner Arbeit schauten wir uns im Kino den "Töpfer 7.1" an. Ich habe zwar die ersten vier Teile gelesen und war damals durchaus angetan; aber das war zu Schulzeiten und ich kannte gerade mal noch die Namen der Akteure. Von den Filmen hatte ich keinen einzigen vorher gesehen, sodass mir hier wohl ein wenig die Storyline fehlte. So war es für mich wohl einer der miesesten Filme, die ich überhaupt im Kino gesehen habe. Nur "Sin City" liegt im Ranking noch davor (aber hier scheiden sich die Geister, ich weiß ...). Das Ende war auf dem Niveau einer schlechten Kurzgeschichte. Das Ziel, alle Zuschauer auch für 7.2 (und dann wahrscheinlich auch noch 7.2 Reloaded) ins Kino zu bringen, wurde aber sicher erreicht. Also mein Urteil: Nicht wirklich sehenswert!
Die Pizza abends war dann wieder deutlich besser, sodass der Tag versöhnlich endete.
Die angesagte Wetterbesserung für Sonntag mit nur noch 20% Schauer-Wahrscheinlichkeit trat nicht ein. Für das Downhillrennen erreichte das Mistwetter den Höhepunkt. Zur Temperatur gab es nun noch starken Wind. Da half auch die wie üblich unterhaltsame Konversation mit dem Offiziellen im Zeitnahmezelt wenig.
Scott im Ziel
Nachdem Scott seinen Lauf in den Busch gesetzt hatte, düsten wir umgehend nach Hause unter die Dusche. Die "Award Ceremony" schenkten wir uns, da wir uns sonst praktisch sicher erkältet hätten und außerdem erst irgendwann nachts nach Santa Barbara zurück gekommen wären. Ich glaube auch nicht, dass da wirklich etwas nennenswertes stattgefunden hat. Die Organisatoren hatten alle Hände voll zu tun, damit die Zelte nicht wegfliegen. So fuhren wir nach der wohltuenden Dusche und dem ersten wirklich guten Burrito, den ich hier gegessen habe, nach Hause. Aufgehalten wurden wir nur noch kurz vom typischen LA-Stau.
Insgesamt ein nettes Wochenende, aber mit europäischem Sauwetter. Auf der Heimfahrt kam übrigens wieder die Sonne raus und für nächste Woche ist wieder bestes Wetter angesagt. Wie immer eben ...

Samstag, 13. November 2010

Heimsieg

Heute morgen klingelte bei mir 4:45am der Wecker. Es sollte zum Heim-Cross-Country-Rennen der UCSB gehen. Meine Mitfahrgelegenheit war, wie hier üblich, eine halbe Stunde zu spät, sodass das frühe Aufstehen nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Man hat mir hier schonmal erklärt, dass man mit "We meet 5:30" meint, dass man 5:30 daran denkt, dass man jemanden treffen will und sich schließlich um 6:00 in Bewegung setzt. Irgendwie inkompatibel mit deutscher Pünktlichkeit.
Im Hinterland, wo das Rennen stattfand, waren, als wir ankamen, gerade 0 °C. Die Leute die oben gecampt hatten, zitterten ziemlich rum. Als die Sonne dann rauskam, konnte man dann direkt von dicker Jacke auf T-Shirt wechseln. Das Rennen sollte um 9:00 Uhr starten und es war klar, dass es recht warm werden würde. Also ideal für mich. Die Strecke hatte ich ja schon letzte Woche angeschaut. Nicht unbedingt etwas, was mir liegt, aber man kanns sich ja nicht raussuchen. Zunächst musste ich erstmal das Lizenzproblem lösen. Der Offizielle kam mit fettem Official-Motorrad angecruist. Als er den UCI-Code auf meiner deutschen Lizenz sah, zog er die Augenbrauen hoch und wies mich darauf hin, dass ich eine Genehmigung meines Verbandes zum Starten brauche. Als ich im mitteilte, das ich diese dabei habe, war er geschockt. Ich bin wohl der erste gewesen, der daran gedacht hat. Er hätte mich aber definitiv auch ohne Starten lassen. Die Offiziellen hier sind total freundlich und jederzeit zu einem Spaß aufgelegt. Kein Vergleich zu den BDR- oder UCI-Leuten. Somit durfte ich A-Klasse fahren.
Das Rennen begann dann pünktlich. Ich erwischte einen für meine Verhältnisse optimalen Start und kam als Zweiter aus der Startloop. Allerdings war das Tempo wahrscheinlich auch nicht mit deutschen Verhältnissen zu vergleichen. Am ersten Anstieg setzte ich mich an die erste Position. Bald hatte ich nur noch einen  Begleiter. Der war allerdings wirklich hartnäckig. In den Downhills konnte er mit seinem 29er Fully immer ein paar Sekunden rausholen. Er schien den Kurs perfekt zu kennen. So musste ich immer wieder ransprinten. Ich testete an einigen kürzeren Bergen einige Male kurz, wie mein Konkurrent drauf ist. Er schien ziemlich fit zu sein. Irgendwann fing er an, total unrhytmische Attacken zu fahren. Von dort an schaute ich ihn mir eine knappe Runde von hinten an. Ich dachte mir, dass es wohl ein harter Kampf werden würde. Die Strecke hatte einige lange flache Abschnitte zum Pressen. Ein Attackieren war hier unmöglich. Meine einzige Chance war also, an einem der nicht wirklich langen Anstiege ein Loch zu reißen und dann meine Zeitfahrfähigkeiten auszuspielen. Zur Mitte der zweiten Runde schien mein Gegner etwas zu schwächeln. An einem etwas längeren Anstieg steigerte ich kontinuierlich das Tempo. Oben im Flachen angekommen hatte ich vielleicht ein fünf Meter großes Loch. Jackpot! Ist ja meine Spezialität, die Daumenschrauben am Anstieg anzuziehen um dann, wenn es flach wird, die eigentliche Attacke zu setzen. Das hat auch diesmal wieder prima funktioniert. Mein Konkurrent explodierte komplett, während meine Beine nun endlich aus ihrer Lethargie erwachten. Im Flachen ging ich dann nach dem bisher etwas hektischen Rennen zum kontinuierliche Marathon-Fahrer-Tempo über. Ich war mir ziemlich sicher, dass mein Verfolger aus eigener Kraft nicht mehr rankommen würde. So konnte ich relativ gemütlich die dritte und letzte Runde angehen. Da die XC-Runden hier viel länger als bei uns sind, bedeutete dies trotzdem über zwei Stunden Renndauer. Als ich das nächste Mal zum Startgelände kam, fuhr ich einen vielleicht 200 Meter langen Streckenabschnitt, bei dem ich mir sicher war, dass ich ihn bei der zweiten Rundendurchfahrt nicht absolviert hatte. Ich fuhr zum Ziel, sagte dem Offiziellen, dass ich da wohl was vergessen hatte und fuhr das Stück schnell noch ein zweites Mal. Da ich zu dem Zeitpunkt, als ich die Schleife vergessen hatte, schon einige Minuten Vorsprung hatte, war es definitiv ohne Einfluss auf den Rennausgang. In Deutschland wäre ich mit absoluter Sicherheit disqualifiziert worden. Hier lachten die Offiziellen nur. Sie jubelten mir sogar zu, als ich dann letztendlich die Ziellinie überquerte und gratulierten mir ein paar Mal ... Sachen gibts. Sie scherzten dann noch ein wenig von wegen "Drug Control, Sebastian". Das der Zweite elf Minuten Rückstand hat, ist hier offenbar noch nicht oft vorgekommen.
Es war wohl der erste Sieg für das UCSB-Team in der MTB A-Klasse. Und das noch dazu beim Heimrennen. Da kann man nur sagen "Good job, good job".
Man sagte mir noch, dass der Zweite jetzt wohl in irgendeiner Ecke liegt und heult. Er ist wie es aussieht der unangefochtene Dominator der Collegiate-MTB-Szene hier in Kalifornien und das er verliert, kommt scheinbar nicht allzu oft vor. Bei den US-Collegiate-Nationals vor ein paar Wochen war er Dritter gewesen. Somit war es praktisch ein Rennen "auf Augenhöhe". Allerdings sind die Collegiate-Nationals im Gegensatz zu den Deutschen Hochschulmeisterschaften hier ein wirklich großes Ding. Das Gerücht, dass im Mutterland des Mountainbikens, die Leute nicht so fit sind, wie in "good old Europe", scheint sich also zu bestätigen. Das ich alter Ausdauerfetischist ein Cross-Country-Rennen gewinne, ist wohl Beweis genug.
Im Anschluss ans Rennen half ich noch als "marshal" beim Dual-Slalom. Die Typen sind einfach nur krank. Manchmal geht's aber auch schief. Eine Dame verschätzte sich ein wenig und landete unsanft. Diagnose: Oberschenkelbruch. Es kamen drei Krankenwagen. Zwei davon so groß, wie bei uns Feuerwehrautos. Schließlich kam noch ein Helikopter hinzu, der schließlich die Verletzte abtransportierte. Hier ist alles ein wenig größer ... Die Rechnung von dem Krankentransport will ich aber nicht sehen.

Montag, 8. November 2010

Trailwork und Gibraltar Reservoir

So, da bin ich wieder ... eigentlich wollte ich das ganze Wochenende zum Cross-Country-Rennen in Chico sein (was 'ne ganze Ecke nördlich von SF liegt), aber es wurde mal wieder wegen schlechten Wetters abgesagt. Irgendwie komisch, da ich die ganze Woche keinen Regentropfen abgekriegt habe und bis auf Samstag und Sonntag auch keine Wolke am Himmel zu sehen war. Ganz im Gegenteil - es war teilweise fast hochsommerlich hier. Aber gut, man muss nicht alles verstehen.
Für Samstag hatte ich mich dann kurzfristig entschlossen, mit den Freunden des Gravity-Sports vom UCSB Cycling Team in die Berge zum Buddeln zu gehen. Schließlich ist kommendes Wochenende das Heimrennen der Uni und da mussten die Downhill und -Dual-Slalom-Strecke hergerichtet werden. Die Anfahrt erfolgte natürlich im standesgemäßen Truck, wie man ihn aus den einschlägigen Freeride-Filmen kennt.
Jetzt weiß ich endlich, wie man professionelle Anlieger, Doubles und Tables baut. Und damit meine ich nicht so popelige Dinger wie in Stollberg am Ski-Hang, sondern richtig böse Sachen. Die Randbedingungen sind hier allerdings auch ganz andere als bei uns. Den staubtrockenen Boden muss man nur ordentlich bewässern und danach wird er hart wie Beton. Aber das will auch gelernt sein. Einmal wunderten wir uns, wieso kein Wasser aus dem Schlauch kam. Der Grund war, dass es einer von uns fertig gebracht hatte, den Wasserschlauch mit seinem eigenen Ende zu verbinden. Müßig zu erwähnen, dass diese Singularität von einem Mathematik-Studenten verbockt worden war.
Insgesamt war der Tag richtig anstrengend. Vor allem, weil ich ewig nix mehr Ernsthaftes gearbeitet habe. In Kombination mit den amerikanischen Schaufeln im Kinderspielzeugformat und der resultierenden Schlagzahl konnte das nur zu Blasen an den Händen führen. Außerdem fand alles außerhalb der Zivilisation statt (was ich vorher nicht wusste) und damit bestand mein Mittagessen aus einem ultrasättigendem Powerbar-Riegel. Die sind übrigens hier nicht teurer, als bei uns Corny-Riegel.
Somit besichtigte ich dann mit ziemlich leerem Magen die zwölf Meilen (!) lange Cross-Country-Runde. Man hätte das ganze auch auf 500 Yards reduzieren können, da die Runde ein stinklangweiliger, brettharter Dauersingletrack durch die Einöde ist. Der einzige Anspruch besteht darin, bei 50 Meilen/Stunde auf dem 1,5 Fuß breiten und leicht zum Hang abfallenden Weg nicht die Kontrolle zu verlieren. Und man muss sehr aufpassen, keine Squirrels (sowas ähnliches wie Eichhörnchen) oder Gophers (Erdhörnchen) über den Haufen zu sägen. Die laufen nämlich in einer derartigen Anzahl auf dem Trail rum, dass es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis es Gehacktes gibt. Einen Lizard (große Eidechse) habe ich mit dem Renner schon halbiert. Gute Tarnung hat halt manchmal auch seine Nachteile.
Am Ende der Buddelei waren wir noch bei einem (angeblichen) Mexikaner essen. Sowas Mießes hab ich lange nicht zwischen die Zähnen gekriegt. Aber den Amis schien es zu schmecken.
Für Sonntag war ich dann eine längere Runde mit dem MTB in den Bergen unterwegs. Ich bin mehr oder weniger nur zum nächstgelegenen Stausee (Gibraltar Reservoir) gefahren. Trotzdem hat mich das ganze 5,5 Stunden gekostet. Die Entfernungen sind hier eben doch ganz andere. Und 2000 Höhenmeter in drei Stunden sind auch schon fast Salzkammergut-Trophy-Dimensionen.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Helloween

Unter der Woche war wie immer alles spektakulär unspektakulär.
Es gab aber endlich wieder feines Wetter. So macht das Radfahren am Morgen Spaß. Nichtmal 'nen Platten hatte ich diese Woche. Aber weißes Lenkerband an den Renner zu machen war ziemlich dumm. Durch die ständigen dreckigen Hände vom Reifenwechsel habe ich jetzt einen schönen Übergang von schwarz nach weiß vom Oberlenker zum Unterlenker. Sehr originell. Weiterhin bin ich zum Flicken der defekten Schläuche übergegangen. Das US-Flickzeug ist der Hammer. Ich weiß nicht was passiert, wenn man den Kleber mit den Händen anfasst. Wahrscheinlich geht man dann eine innige Verbindung mit dem Schlauch ein oder die Hand fällt ab. Aber man scheint hier einige interessante Materialien zu verwenden. Ich möchte wirklich mal wissen, was die mit ihren Folietüten und Verpackungen machen. Auch diese Woche war ich wieder ständig am Fluchen, weil man kaum an den Inhalt von Wurst- oder Käseverpackungen rankommt. Das ist vielleicht der Werkstoff der Zukunft. Die Bruchzähigkeit dürfte jedenfalls schonmal auf dem Niveau von Stahl liegen.
Und dann war ja dieses Wochenende noch Helloween. Das Studentenviertel Isla Vista ist legendär dafür, dass jedes Jahr Studenten aus den ganzen USA hierher kommen, um sich ins Koma zu saufen. Es wurde schon Mitte der Woche damit begonnen, den ganzen Campus und speziell alle Parkmöglichkeiten einzuzäunen damit das ganze möglichst unattraktiv für Besucher wird und um den schlimmsten Schaden zu vermeiden. Weiterhin ist ab 6 pm keine Musik mehr auf der Straße erlaubt und die Polizei kontrolliert jedes verdächtige Subjekt, wobei man teilweise vielleicht besser von Objekt sprechen sollte. Auf diese Weise scheint es dieses Jahr auf den Straßen relativ ruhig zu sein. Von den 50000 "Besuchern" aus den vergangenen Jahren ist jedenfalls keine Spur. Innerhalb der Appartments geht es allerdings hoch her. Gestern bin ich in so 'ne Helloween-Feierlichkeit reingeraten. Es fing harmlos an, wurde aber schnell schlimmer. Alles was man aus den Ami-Filmen kennt, ist die Wirklichkeit. Nicht zu fassen. Wenn ein brennendes Streichholz auf den Fußboden gefallen wäre, wäre von der Bude wahrscheinlich nicht mehr viel übrig gewesen. Der Wodka-Pegel (aus den umgefallenen und zerbrochenen Gläsern) war schon bedrohlich gestiegen. Und das Zeug, was die hier haben ist nicht ohne. Es eignete sich hervorragend als Grillanzünder. Für solche Stichflammen ist normalerweise die Kompetenz ganzer Fachschaftsräte erforderlich. Als die Leute nicht mehr zu sinnvoller Kommunikation in der Lage waren, habe ich mich dann auch verdrückt. Immerhin habe ich das außerordentlich anspruchsvolle Trinkspiel "Fuck you" kennen gelernt. Sowas wird hier durchaus mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betrieben. Für "Beer Pong" war sogar ein spezieller Spieltisch vorhanden. Für das Öffnen von Bierflaschen wäre aber doch noch ein Grundkurs für die Amis von Nöten. Die Tischkanten sehen jetzt ziemlich böse aus von den vielen Fehlversuchen. Was die Fähigkeit betrifft, funktionierende und langlebige Flaschenöffner zu konstruieren liegt man hier auch auf dem Niveau gewisse Fachschaftsräte.
Ansonsten ist wirklich nicht viel Aufregendes passiert. Gestern war ich mit dem UCSB Cycling Team auf einer netten Trainingsfahrt an der Küste entlang und heute nochmal alleine in den Bergen.
Ich habe auch einen kompetenten Einheimischen zur "No Shooting"-Story befragt. Meine Vermutung, dass es tatsächlich um Schusswaffengebrauch geht, wurde bestätigt. Er erklärte mir, dass die Amis gerne mal in der Gegend rumballern und speziell an der Stelle, wo die Schilder stehen, wäre es gefährlich, weil man nicht einsehen kann, wo Wanderer kommen. Also an alle Wanderer: Ab demnächst bitte mit rosa Stahlhelm und kugelsicherer Weste! Sicher ist sicher!

Montag, 25. Oktober 2010

Gasalarm, Hobbyrennen, etc.

Die letzte Woche begann damit, dass wir ein Schild an der Türe hatten, das man uns den Gashahn zu drehen will. Irgendwie verständlich, denn schließlich hatten wir Gas für den Herd, ohne irgendeinen Vertrag oder sonstiges abgeschlossen zu haben. Das hatten die Vormieter wahrscheinlich nicht abgemeldet. Also hat der andere Sebastian dort angerufen und einen neuen Account eingerichtet. Am Schluss kam natürlich wieder die Frage nach der "social security number", welche wir nicht haben. Die einzige Alternative dazu war, mit dem Pass im örtliche Büro des Gasanbieters vorbeizufahren. Dumm nur, dass dieses am anderen Ende der Stadt liegt und dessen Öffnungszeiten sich kaum mit den Arbeitszeiten des Anderen verbinden ließen. Somit hatte ich den Jackpot gezogen, mit seinem Pass in der Trikottasche bei meiner morgendlichen Trainingsrunde dort vorbeizufahren. Wie zu erwarten, akzeptierten sie das ganze nicht, da sie Herrn Zeller identifizieren wollten. Ich fragte, ob sich der Account auf mich umschreiben lässt. Dann hätte ich gleich meinen Pass zeigen können und alles wäre gut gewesen. Das konnte die gute Dame am Schalter natürlich nicht durchführen, sodass ich gleich vor Ort bei der Hotline angerufen habe. Somit durfte ich mir auch nochmal das Frage-und-Antwort-Spiel antun, welchem ich am Vorabend schon beigewohnt hatte. Als ich am Ende einen menschlichen Bearbeiter am Telefon hatte, sagte der mir, dass alles umsonst war und er den Account nicht umschreiben kann. Aber ich könne die Passkopie per Fax schicken. Sowas Bescheuertes hab ich lange nicht erlebt. Ich kann den Pass von Herrn Zeller nicht vorzeigen, weil so keine Identifizierung möglich ist, aber Faxen ist ok oder was ? Naja, ich dachte mir besser nicht nachfragen. Es hat dann auf diesem Weg alles problemlos funktioniert. Aber man kanns auch umständlich machen ...
Fürs Wochenende wollte ich mit dem UCSB-Rad-Team nach Salinas zum studentischen Cross-Country-Rennen der Stanford-Uni. Da bei den "Collegiate-Races" meine deutsche Lizenz nichts wert ist, musste ich schnell noch eine Lizenz bei USA-Cycling lösen. Das ging ohne Weiteres online. Da kann der BDR sich 'ne Scheibe von abschneiden. Freitag nachmittag düsten wir also zu dritt mit Chevy-Van (10 Sitzplätze) und fettem Trailer (für locker 15 Fahrräder) nach Salinas. Totaler "Overkill". Der Durchschnittsverbrauch von dem Gespann ging schon tendenziell in Richtung Panzer. Alles sehr umweltfreundlich. Abends wollten wir noch was Essen gehen. Da ich der Einzige Ü-21-Jährige war, war es gar nicht so einfach was zu finden. Denn die lassen einen hier nicht so ohne Weiteres in die Kneipe rein. Ein Brite hatte dann Erbarmen und hat uns in seinen Pub reingelassen. So habe ich zum ersten mal in meinem Leben "Fish & Chips" gegessen. Der Hunger treibts ja  bekanntlich rein und der Verstand wieder raus. Auf Letzteres habe ich verzichtet. Am nächsten Morgen gings dann zum Wettkampf. Man hatte mir gesagt, dass es kein Problem sein sollte, meine US-Collegiate-C-Lizenz vor Ort auf eine A-Lizenz upzugraden. Dummerweise hatte der Offizielle, der das gekonnt hätte, nur seinen Vertreter geschickt. Dieser sah sich nicht in der Lage zu dieser Amtshandlung. Ich dachte mir, dass das vielleicht gar nicht so schlecht ist. Schließlich hatte mir mein Powertap bei der Vorbelastung bescheinigt, dass ich nur noch ein Schatten meiner selbst bin. Um sich wieder an die Rennbelastung zu gewöhnen, sollten 60 Minuten Wettkampfdauer gar nicht so schlecht sein. Irgendwie fühlte ich mich beim Rennen dann doch deutlich besser als gedacht. Über die Konkurrenz brauchte ich mir keine Sorgen machen, da die nach den ersten 200 Metern die Segel gestrichten hatte. Ich rauschte also von hinten in die vor uns gestarteten Felder der Damen-, B- und A-Klasse hinein. Endlich mal wieder Slalom-Training. Die Strecke war wie gemacht für mich. 2,5 Meilen bergauf und dann 2 Meilen schön schnell bergab. Mit Cross-Country wie wir es kennen, hatte es allerdings nicht sonderlich viel zu tun. Aber der sandige Untergrund hatte auch so seine Tücken. Am Ende der zweiten Runde hats mir dann in einer Kurve den Vorbau verdreht. Ich war halt doch etwas ängstlich beim Anziehen der Titanschrauben beim Zusammenbau nach dem Flug (Drehmomentschlüssel habe ich ja keinen mit). Also hab ich in der Start-Ziel-Passage einen lupenreinen Salto hingelegt. Unter dem Applaus der Zuschauer nahm ich das Vorderrad zwischen die Beine und zog die Sache wieder gerade. Im Folgenden war ich etwas vorsichtiger, um nicht nochmal im Dreck zu landen. Resultate habe ich zwar bisher keine gesehen, aber ich glaube, dass ich fast das ganze C-Feld überrundet habe. Und das bei 3 Runden á 20min. Ich glaube, die hassen mich jetzt. Mit meinen Rundenzeiten hätte ich wahrscheinlich auch das A-Rennen gewonnen, aber so wars ein typischer Fall von "dumm gelaufen". Ich fuhr anschließend noch zwei Stunden aus und schaute dann beim Super-D-Rennen zu (eine Art Downhill für Softies). Am Abend kamen noch die Eltern von einem anderen Mitfahrer zu Besuch und wir gingen gemeinsam Essen. Auf die Weise hab ich einen echten Klischee-Texaner kennen gelernt. Einfach nur "crazy" der Mann. Er klärte mich auf, dass unsere Bundeskanzlerin (deren Namen er aber nicht kannte) gesagt haben soll, dass in Deutschland zwei von drei Neugeboren muslimische Eltern haben. Ich hielt hart dagegen, da mir das praktisch unmöglich vorkommt. Oder habe ich was verpasst? Ich bitte um Aufklärung! Kurz vor der Eskalation passierte im Baseballspiel, welches im Fernsehen lief, irgendwas Entscheidendes, was zur sofortigen Beendigung der Diskussion führte. Nochmal Glück gehabt. Der Herr war aber offensichtlich auch nicht mehr ganz nüchtern. So ging der Abend dann doch friedlich zu Ende.
Am Sonntag wollte ich evtl. noch im Short-Track-Rennen (30 Minuten auf einer 1 km-Runde) an den Start gehen. Außerdem wollten noch andere Fahrer aus Santa Barbara für das Downhill-Rennen zu uns stoßen. Aufgrund von (mäßigem) Regen wurde der zweite Wettkampftag komplett abgesagt. Sowas habe ich auch nicht erlebt. Wir fuhren gleich heim. Nachmittags fuhr ich nochmal die gleiche Runde mit dem Rennrad, wie letztes Wochenende. Nur diesmal war unten passables Wetter und oben Wolken. Auf diese Weise konnte ich auch die "No-Shooting"-Stelle nochmal besichtigen. Es gibt dort nichts zu sehen, außer verbrannten Wald. Ich bin mir mittlerweile fast sicher, dass damit wirklich Schusswaffengebrauch gemeint ist. Schließlich war ich kurz voher an einem Schießsstand vorbei gekommen. Sicherheitsvorkehrungen oder sowas gab es dort  nicht. Wenn dort mal jemand schlecht zielt, siehts trübe aus. Aber es gibt hier so einige komische Sachen. Z. B. "Speed enforced by aircraft", was bedeutet, dass Geschwindigkeitskontrollen mit dem Flugzeug durchgeführt werden. Klingt sehr effizient. Wahrscheinlich dient es aber doch bloß der Abschreckung. Am Ende der gestrigen Radrunde hats nochmal nen lauten Knall gegeben. Mein dritter Platten mit dem Rennrad, seitdem ich hier bin. In dem halben Jahr hier brauche ich wahrscheinlich soviele Schläuche, wie bisher in meinem ganzen Leben zusammengenommen nicht. Bald kann ich den Schlauchwechsel inkl. Aufpumpen auf sechs bar auch beim Rennrad in vier Minuten (bei fünf bin ich schon).
Nachdem ich die letzten drei Wochen ordentlich trainiert habe, gehts jetzt erstmal in die Regenerations-Woche. Das Wetter soll auch wieder etwas besser werden, als die vergangenen Tage. Es hat nämlich ganz schön viel geregnet. Bei 16 °C ist das zwar angenehm, aber der Sand auf den Straßen klebt am Renner wie die Pest. Der Einzige Trost ist, dass danach Kettenblätter und Kette glänzen, weil sie frisch "befeilt" sind.
Mit dem Beleg scheints auch vorwärts zu gehen. Die vergangenen Wochen habe ich mich nur mit Bleistift und Papier rumgeschlagen. Aber die numerischen Ergebnisse stimmen offenbar erstaunlich gut mit dem überein, was ich aus dem Kaffeesatz rausgelesen habe.

Montag, 18. Oktober 2010

Buzz Cut, über den Wolken und Hollywood

So, die letzte Woche war nicht viel los. Dafür umso mehr am Wochenende. Für Samstag früh hatte ich mir vorgenommen, zum Frisör zu gehen. Der andere Sebastian war unter der Woche schon dort gewesen und hatte mich vorm günstigen "Buzz Cut" (=alles weg) gewarnt. Als ich beim Barber-Shop ankam, wurde nur ein Einziger schon frisiert und sonst wartete keiner. Derjenige der vor mir dran war hatte bereits fast keine Haare mehr auf dem Kopf. Der vollkommen tätowierte Mexikaner, der hier die Leute bearbeitete, sah auch eher wie ein Fleischer aus. Sollte also schnell gehen. Dachte ich jedenfalls. Tatsächlich schaffte es der Mexikaner dann mit vier verschiedenen Trimmern die Haare des Mannes vor mir von vielleicht 1.5 mm auf 0.2 mm zu reduzieren. Bis dahin hatte ich schon geschlagene 40 Minuten gewartet. Zur Krönung schäumte er den Kopf des Klienten dann noch vollkommen ein und reduzierte mit dem Rasiermesser penibelst auf 0.0 mm. Gesamtzeit: 50 Minuten. Das wäre sicher auch in einem Durchgang möglich gewesen. Ich war dann aber immerhin sofort dran und versuchte ihm zu erklären, wie er mir die Haare schneiden soll. So einen komplizierten Haarschnitt macht er sicher selten. Gesessen hat man dann dort mit Blick auf einen riesigen LCD-Fernseher. Die Fragen, wie er denn schneiden soll, konnte ich kaum beantworten, da man ja ohne Spiegel schlecht einschätzen kann, wie man gerade aussieht. Der Mexikaner zerrte ziemlich erbarmungslos an meinen Haaren dran herum. Glücklicherweise dauerte es bei mir nur vielleicht 20 Minuten inklusive Feinschliff mit dem Rasiermesser. Das Ergebnis war zwar nicht besonders toll, aber auch kein Totalschaden. Dass nächste Mal probiere ich vielleicht das "Hair-Studio" um die Ecke.
über den Wolken
 Samstag nachmittag wollte ich dann noch eine Runde mit dem Rad drehen. In Santa Barbara war ziemlich mieses Wetter. Vielleicht 16 °C und Nieselregen. Also entschied ich mich für die Flucht in die Berge, in der Hoffnung über die Wolken zu kommen. Kurz vorm Beginn des Anstiegs auf der San Marcos Road umrundete mich ein Mountainbiker. Er trat ständig an, wartete dann wieder, trat wieder an und so weiter. Ich fuhr einfach gemütlich weiter. Am Anfang der Steigung setzte er dann die finale Attacke. Ich kam leider nicht über den Kompensationsbereich hinaus, sodass ich nichts entgegensetzen konnte. Ich vermutete aber, dass wir uns nochmal wieder sehen würden. Nachdem er am Anfang an Land gewonnen hatte, kam er dann auch nicht mehr richtig weiter vorwärts. Irgendwann begann sich dann der Abstand wieder zu reduzieren, obwohl ich immer noch relativ gemütlich fuhr. Jedenfalls soweit das im Rahmen von einer 10 %igen Steigung bei 39-27 überhaupt möglich ist. Das machte ihn sichtbar nervös und er drehte sich ständig um, versuchte zu attackieren, wurde wieder langsamer und so weiter. Irgendwann war es dann um ihn geschehen. Er war ziemlich zerknirscht, aber ich verkniff mir einen Kommentar. Irgendwie peinlich.
Die Wolken hatten sich auch noch nicht verzogen. Ich fuhr dann an einer angemalten Höhle ("painted cave") vorbei. Da ich nichts zum Rad anschließen bei mir hatte, verzichtete ich aber auf einen Besuch und fuhr weiter den Berg hoch. Jenseits der 1000 Meter über NN gelange es mir tatsächlich die Wolken zu durchbrechen. Schlagartig waren wieder sommerliche Temperaturen. So konnte ich den weiteren Anstieg über den "East Camino Cielo" zum "La Cumbre Peak" richtig genießen. Letzterer überragt den Fichtelberg um einen sensationellen Meter. Von hier aus ging es dann bergab. Zunächst kam ich an der Raketenabschussbasis der örtlichen Kriegsspieler vorbei. Sie ballerten ziemlich sinnlos Raketen in den Himmel. Natürlich ohne hübsche bunte Effekte ... Hauptsache laut. Kurz darauf tauchte ich wie ein Adler in die Wolkendecke ein. Temperatursturz um gefühlte 30 °C. Zum Glück hatte ich die Windjacke daheim gelassen.
Lasagne ... wie zu Hause, nur besser
Die Sichtweite reduzierte sich bald auf vielleicht fünf Meter. So eine Suppe habe ich noch nie erlebt. An einer Stelle konnte ich am Rand einer Serpentine gerade noch einige Schilder mit der Aufschrift "No shooting here" erkennen. Ich übersetzte "Keine Schießereien hier", kann mir aber bisher noch keinen Reim drauf machen. Ist sowas denn sonst erlaubt? Eine vage Erklärungsmöglichkeit könnte sein, "shooting" mit Foto-Shooting in Zusammenhang zu bringen. Aber so ganz klar ist mir das alles noch nicht. Weiterhin warnte mich kurz darauf ein auf die Straße gemaltes "HOLE" vor einem Riesenschlagloch, dass über die ganze Straße ging. Toll, wenn man das fünf Meter vorne weg sieht und das Ding zu lang zum Drüberspringen und zu breit zum Ausweichen ist (jedenfalls aus der Distanz). Also voll durchgepoltert. Das Rad hat gehalten, aber ich wettete auf einen Durchschlag. Erstaunlicherweise passierte nichts. Zum Glück hatte ich ja vor der Tour nochmal die Reifen auf 8,5 bar aufgeblaßen. Irgendwann war ich dann wieder unten in Santa Barbara bei saumäßigen 16 °C und Nieselregen. In Anbetracht der Wettervorhersage für Deutschland, die ich am Morgen gelesen hatte, konnte ich mich noch zu einer Runde durch das noble Montecito motivieren, um dann am Strand heimzugammeln.
Wir bereiteten abends dann eine Wahnsinns-Lasagne zu und schauten "Predator" mit Gouverneur "Arnie" in der Hauptrolle. 
Weißer Hai
Am Sonntag morgen standen wir um 7:30 Uhr erneut bei Sauwetter am Bus, um mit der ISA (International Student Association) nach Hollywood zum Universal-Studios-"Themenpark" zu fahren. Man hätte es besser "Fresspark" genannt. 99% der Fläche war mit Fressbuden zugepflastert. Der Rest wurde von den "Attraktionen" beansprucht. Da ich ja alles andere als ein Film- und Fernsehkenner bin, fand ich das alles nicht so wahnsinnig überwältigend. OK, die Achterbahn im Dunkeln mit anschließendem Rückwärtsfahren sowie die überdimensionale Wildwasserfahrt mit praktisch Freiwall hatten was. Natürlich wurde an den beschleunigungsintensivsten Stellen von den installierten Kameras Bilder gemacht, die man sich hätte kaufen können. Wir verzichteten dankend, da die wirklich peinlich waren. Die Zeit war dann recht schnell rum. Viel Lust hatte ich auch nicht mehr. Man kanns mal gesehen haben, aber umgehauen hats mich nicht. Abends bin ich nur noch ins Bett gefallen.
Mein neues Auto
Heute morgen war der Hinterreifen am Rennrad natürlich platt. Also Ursachenforschung. Das übliche Programm: Schlauch raus, aufpumpen und unter Wasser schauen, wo die Bläschen kommen ... es kamen natürlich keine. Ich begann schon langsam zu überlegen, wer mir hier einen Streich gespielt haben könnte (der Andere ist zu bieder für sowas). Ich bließ den Schlauch dann zur Sicherheit doch nochmal auf 1,5 m Durchmesser auf und versuchte es mit unter Wasser halten. Tatsächlich kamen dann doch ein paar Bläschen. Ein mikroskopisch kleines Loch. Mit Adleraugen erkannte ich dann auch noch die andere Seite vom Durchschlag, sodass zumindestens die Ursache klar war. Mein Gefühl beim "HOLE" hatte mich also nicht getäuscht. Nach der Reparatur konnte ich dann meine morgendliche Runde bei deutlich angenehmeren trockenen Bedingungen fahren.
Grade eben hatten wir noch eine kleine Havarie mit der Toilette. Kein Wunder, da bei der 2 inch Rosette mit engem S-Schlag nicht viel durchpasst. Wir rätselten, was wir zum rumstochern haben könnten. Ich kam dann auf die sensationelle Idee, das wir ja einen von unseren 25 Kleiderbügeln zum Preis von 2$ (also die gesamte Packung) opfern könnten. Nach einigen Bruchzähigkeitsversuchen stellte sich heraus, dass das Material äußerst biegsam und somit hervorragend geeignet ist. Der Andere führte die Drecksarbeit zur Zufriedenheit aus, sodass wir jetzt wieder sorgendrei sch*****, äh ... aufs Klo gehen können.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Santa Ynez Peak


Lake Cachuma
 Heute hatte ich vor, über den Highway 101 nach Nordwesten zu fahren, um dann die Refugio Road in Angriff zu nehmen. Mir war das Ganze als schöne Variante ins Santa Ynez Valley empfohlen worden. Daher plante ich auf dem Rückweg über Lake Cachuma und San Marcos Pass Road zu fahren. Der Anstieg vom Meer ins Hinterland begann zunächst relativ gemütlich. Irgendwann wurde es dann aber plötzlich richtig steil. Gegen diese Rampen sind Alp d'Huez, Ventoux, Galibier & Co. der reinste Lacher. Im steilsten Stück betrug die Durschnittssteigung wohl um die 15% auf einen knappen Kilometer. Diesmal hätte ich mir wirklich eine Dreifach- oder zumindestens Compact-Kurbel gewünscht. Es gab zwar immer mal wieder kurze flachere Abschnitte, aber 10% Steigung und mehr waren die Regel. Auch diesmal war es wieder brütend heiß, wenngleich das Thermometer nur "angenehme" 35 °C zeigte. Allerdings war ich immerhin so intelligent gewesen, drei Trinkflaschen mitzunehmen. Das letzte Mal, dass das alleinige Bewältigen des Berges so anstrengend war, war in den Alpen mit dem MTB am Madritschjoch (auch damals hatte ich keine der Situation angepasste Übersetzung). Irgendwann kam ich an die Kreuzung, an der ich eigentlich ins Santa-Ynez-Valley runterfahren wollte. Mein Ratgeber hatte nur nicht erwähnt, dass es sich hierbei um eine Schotterstraße handelt. Der einzige Asphaltweg, der weiterführte, ging bergauf. Ich hatte keine Ahnung wohin der Weg führte, schließlich mangelt es nach wie vor an gescheitem Kartenmaterial (ich weiß aber mittlerweile, wo ich es herkriegen kann). Aber da ich schonmal hier war, wollte ich auch wissen, wo der Weg rauskam. Die Richtung war so schlecht nicht. Vielleicht konnte ich ja hier direkt zum San Marcos Pass fahren. Die Straße war auch in deutlich besserem Zustand als der Abschnitt zuvor und die Steigung war recht angenehm geworden. Mit der Zeit wurde mir klar, dass die Straße auf den höchsten Berg, den ich vom Tal aus sehen konnte, führen musste.
Blick auf den Santa-Ynez-Peak
Das letzte Stück war leider nicht mehr mit dem Rennrad zu bewältigen, sodass ich zum knapp daneben liegenden "Nebengipfel" hochfuhr. Dort gab es ein stacheldrahtumzeuntes Observatorium zu bewundern. Keine Ahnung, was die dort oben Geheimes beobachten. Der Ausblick auf den Pazifik und in die andere Richtung ins Santa-Ynez-Valley zum Lake Cachuma war durchaus schön, wenngleich etwas diesig. Zurück musste ich wohl aber übel den gleichen Weg nehmen, den ich gekommen war. Auf halber Strecke musste ich erstmal kurz anhalten, um die Felgen abkühlen zu lassen und meine Finger zu lockern. Ich habe zwar schon etwas Fingerkräftigung beim Hallenklettern im Recreation Center gemacht, aber das Bremsen bei dieser Steigung war fast so anstrengend, wie das berghoch fahren. Ich fuhr dann über den Highway 101 zurück, drehte noch eine nette Runde durch Santa Barbara, um am Strand lang nach Hause zurück zu fahren.
Nach ausführlicher Recherche konnte ich dem Berg den Namen "Santa Ynez Peak" (1310 m) zuordnen. Also höher als der Fichtelberg das Ding. Und dazu noch mit Anstieg vom Meeresniveau aus. Wenn ich den nicht asphaltierten Weg (West Camino Cielo) zum Gipfel und dann weiter gefahren wäre, wäre ich tatsächlich an der San Marcos Road rausgekommen. Das nächste Mal nehme ich das Mountainbike. Da habe ich wenigstens eine adäquate Übersetzung. Außerdem habe ich viele Stellen gesehen, die sehr zu einer MTB-Tour einladen.